Die Kirche St. Katharinen ist ein Meisterwerk der spätgotischen Baukunst. Sie steht in Brandenburgs Neustadt und wurde im Jahr 1401 fertiggestellt.

Mit einer Länge von 73 Metern und einer Breite von 29 Metern sowie einer Turmhöhe von 72 Metern ist sie die größte und höchste Kirche der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie beeindruckt durch eine schmuckreiche Außenfassade und ist reich an Innenausstattungen und bedeutenden Kunstwerken, wie dem Flügelaltar aus dem Jahr 1474 und dem achteckigen Bronze-Taufkessel.

 

Seit 2020 beherbergt die St. Katharinenkirche auch die größte Orgelanlage der Stadt und des Landes Brandenburg: Mit 96 Register, 5 Manuale und Pedal beeindruckt sie vor allem mit ihren 6364 Orgelpfeifen sowie dem barocken Originalprospekt aus dem 18. Jahrhundert.

 

In individuellen Führungen können Interessierte die Kirche kennenlernen, den Kirchturm erklimmen oder eine Vorstellung der Orgel erhalten. Richten Sie Ihre Anfragen bitte an info@tokatha.de.

 

Sie haben Lust etwas über die Glocke aus der „verrückten Kapelle“, den Esel oder die „Wiese“ an der Decke zu erfahren? Sprechen Sie das Team Offene Kirche vor Ort an!

St. Katharinen
hören, sehen und fühlen

Wie mag das gewesen sein, vor über 550 Jahren, wenn Menschen in die St. Katharinenkirche kamen. Mit staubigen oder vielleicht sogar schlammigen Schuhen, draußen liefen Hühner herum, Tauben flatterten um die Kirche herum. War es still drinnen, wenn man eintrat? Klang vielleicht eine Orgel? Heute kommt man über den Marktplatz vor der Kirche. Dass die Stadt so viele Geräusche macht, spürt man in dem Moment, in dem man durch die hohe Tür tritt – denn drin sind sie weg. Es ist still.

 

Der Blick wandert heute – so wie der Blick von so vielen Menschen früher – nach oben. Die Säulen hinauf, in das Deckengewölbe, das zum Ostchor hin immer prächtiger bemalt ist, himmlisch schön, paradiesisch, und das war auch die Absicht.

 

Ganz vorne steht der Hochaltar. Im Jahr 1474 war er ganz neu aufgestellt worden – ein unfassbares Prachtstück.

Ein Altar mit 321 Gesichtern

Kommt man an einem Werktag, sind die Flügel geschlossen. Damals wie heute zeigen vier eindrucksvolle Gemälde auf den geschlossenen Flügeln die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Jesus betet im Garten Gethsemane, er spürt schon, dass die Lage sich zuspitzt, bittet seine Freunde, mit ihm zu wachen und zu beten, sie aber schlafen. Er wird festgenommen und stirbt am Kreuz. Weinende Männer und Frauen nehmen seinen Leichnam ab vom Kreuz und legen ihn in ein Grab.

 

Auf dem letzten, vierten Bild, oben rechts, sieht man ihn lebendig aufstehen am Ostermorgen – der Künstler hat ihn gemalt, wie er einfach durch die Marmorplatte hindurch steigt, als wäre sie durchlässig, während aber ein Soldat gleich neben ihm seinen mit Rüstung bewehrten Arm auf dieselbe Marmorplatte stützt, ohne dass sie nachgibt. Der Künstler hat das Wunder gemalt – und irgendwie ist es so: Die Spannung ist dieselbe, damals schon – und heute. Haben sie gestaunt darüber, die Menschen damals?

 

Kommt man aber an einem Sonntag, dann sind die Flügel des Altars aufgeklappt und wir sehen die Geschichten der Heiligen Katharina und der Heiligen Amalberga. Zwei starke Frauen – Katharina, die von den damals 50 gelehrtesten Philosophen überzeugt werden sollte, nicht Christus, sondern dem Kaiser zu huldigen – sie weigerte sich, überzeugt dabei die Philosophen und sogar noch die Kaiserin. Wie klug muss sie gewesen sein! Wie so viele Menschen nach ihnen, mussten sie alle sterben, weil die Mächtigen nur Gewalt als letztes Mittel kannten. Katharina wurden enthauptet.

 

Amalberga, die ebenfalls ihr Leben Christus geweiht hatte, weigerte sich, die Frau eines Königs, vermutlich Karls des Großen, zu werden – er wendete Gewalt an, zerrte an ihrem Arm, der brach – sie aber betet für ihn. Ob er wohl um Entschuldigung gebeten hat – das wissen wir nicht, aber jedenfalls hat sie aus eigenem Willen seinen gewalttätigen Herrschaftsanspruch überwunden. Das ist stark. Katharina und Amalberga, zwei Frauen, die für ihren Glauben leiden mussten, letztlich aber vielen anderen nach ihnen Mut machten.

 

Besucht man an einem Festtag die Kirche, sind die Altarflügel ganz aufgeklappt. Damals wie heute sieht man kostbare goldene Statuen der beiden heiligen Frauen, die jeweils einen Herrscher überwanden – und man entdeckt die Männer mit ihren Kronen unter den Füßen der Frauen. Besiegt, aber nicht vernichtet. Überwunden, aber ohne Gewalt. Ein christliches Zeugnis bis heute.

Ein Altar zum Anfassen

Nach der aufwändigen Restaurierung 2024, können wir die Altarflügel erstmals nach vielen Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten wieder bewegen und alle kostbaren Bilder sehen. Vor dem Altar steht ein Modell, an dem jede und jeder selbst die Flügel bewegen und alle Bilder betrachten kann – an jedem Tag. Sie sind herzlich eingeladen, es selbst auszuprobieren!

 

Entdecken Sie alle Geschichten, die sich hinter den Gesichtern und Bildern des Altars verbergen.

Der Kirchturm: 195 Stufen und ein Wunder

Mit 72,5 Metern prägt der Turm der St. Katharinenkirche weithin die Silhouette der Stadt. Wer die Aussichtsplattform erklimmen möchte – rund 12 Meter unterhalb der Spitze –, bewältigt zunächst 89 Stufen eines Wendelsteins, gefolgt von weiteren 106 Stufen auf einer Holztreppe. Von der ehemaligen Türmerwohnung, von der heute noch das Gebälk erhalten ist, eröffnen sich alle vier Aussichtsplattformen – und mit ihnen das, was viele für die schönste Aussicht Brandenburgs halten. Bei klarem Wetter reicht der Blick nach Nordosten bis über die Götzer Berge, während sich nach Norden der Beetzsee in voller Pracht zeigt. Im Sommer beleben Boote seinen Spiegel und den der Havel, deren Verlauf die dichte Bebauung allerdings verbirgt.

Katharinenkirche

Dass dieses Gebälk noch steht, grenzt an ein Wunder – und erinnert an ein Ereignis, das manche für eine Sage halten, das jedoch in den erhaltenen Kirchenbüchern verbürgt ist. Im Oktober 1580 hatte ein schwerer Sturm den Turm der St. Katharinenkirche erschüttert und Risse hinterlassen, die trotz notdürftiger Reparaturen stetig wuchsen. Zwei Jahre später stellte der Küster noch größere Schäden fest: Die Risse hatten sich ausgeweitet, und der Turm neigte sich bereits um mehr als drei Zoll vom Kirchengiebel. Als endlich beim Kurfürsten Gehör gefunden wurde, war es zu spät:

 

Am 30. März 1582 um 3 Uhr morgens stürzte der Turm ein und riss Glocken, Taufbecken, Orgel und Türmerwohnung mit sich in die Tiefe. Dort schliefen zu dieser Stunde die drei Kunstpfeifergesellen Andreas Drichel, Georg Wolff und Anton Störtewein – Meister Nehring war zum Glück am Vorabend mit Frau und Kind nach Magdeburg gereist. Die drei stürzten samt Gebälk in die Tiefe und erlitten dabei kaum mehr als geringe Blessuren und einige Splitter. Ein Wunder – und solch einen Segen wünschen wir jedem Besucher.

Ihr Weg zur St. Katharinenkirche

Die St. Katharinenkirche liegt zentral in der Brandenburger Neustadt am Katharinenkirchplatz 13, 14776 Brandenburg an der Havel. Da öffentliche Parkplätze in der Umgebung rar sind, empfehlen wir den Besuch per Fuß, Rad oder mit dem ÖPNV.

 

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